Augenzeugenbericht vom 23. Juli 2026
Es gibt Kooperationsanfragen, für die man drei Meetings braucht, um überhaupt herauszufinden, ob sie Sinn ergeben. Und es gibt die hier: Dan Garten und adidas bringen eine Capsule Collection über schwules Leben in Berlin raus. Wir bringen kostenlose STI-Tests mit. Konzept fertig, keine Rückfragen nötig.
Am 23. Juli standen wir also mit eigenem Stand, Tests und jeder Menge Goodies in der adidas Sports Base Berlin. Das Event war offen für alle, ohne Gästeliste, ohne Türpolitik, so wie unser aller Leben eigentlich sein sollte. Und genau deshalb haben auch wir die Einladung vorher über unsere Instagram-Story weitergegeben. Wer davon Gebrauch gemacht hat: dazu später mehr.

Die Collection: Berlin, ungefiltert
Es gibt Pride-Merch, das aussieht, als wäre es im Mai panisch durch einen Regenbogenfilter gejagt worden. Und dann gibt es das hier.
Auf Shirts und Hosen stehen Sätze wie "Gay approved" und "Basic gay", dazu "too broke for Mitte" und "too gay for Wedding". Auf einer Tasche steht "Meet me at the Stufen", was du entweder sofort verstehst oder eben noch nie im Prinzenbad warst. Dazu ein Speedo, eine Cap und ein Handtuch.
Jede Zeile ist ein Insider. Und jeder Insider sitzt. "too broke for Mitte" hätte auch auf unserem letzten Kontoauszug stehen können.

Unser Stand: Testen, drehen, reden
Mitgebracht haben wir zwei Dinge:
Kostenlose STI-Tests für alle Gäste. Direkt vor Ort, ohne Anmeldung, ohne Erklärungsdruck. Die Ergebnisse gab es direkt am Folgetag.
Richtig viele Goodies. Von Gutscheinen über Gut Feeling bis zum Reality Check, unserem Test für zu Hause.
Nicht mitgebracht haben wir: eine realistische Vorstellung davon, wie der Abend laufen würde.
Unser Plan war ungefähr so: nettes Event, ein paar Drinks, Leute drehen am Rad (dafür haben wir extra ein Glücksrad mitgebracht, höhö). Stattdessen wurde geredet. Nicht Smalltalk zwischen zwei Bieren, sondern echte Gespräche. Über Testintervalle. Über Scham. Über die Frage, warum es eigentlich so kompliziert sein muss, an ein Testergebnis zu kommen. Über das, was Freund*innen erzählt haben und was davon stimmt.
Der Abend an unserem Stand, in vier Phasen:
18:30 Uhr: "Was genau macht ihr hier eigentlich?"
19:15 Uhr: "Warte. Kostenlos? Einfach so?"
20:00 Uhr: "Ich hab da mal eine Frage, die ist wahrscheinlich dumm."
21:30 Uhr: Umarmung zum Abschied.
Kleiner Hinweis an dieser Stelle: Keine dieser Fragen war dumm. Sie fühlen sich nur so an, solange niemand da ist, den man fragen kann.

Der Vibe
Kein Türsteher-Ernst, keine Szene-Kälte. Stattdessen ein Raum, in dem Leute laut ausgesprochen haben, was sie sonst nachts um zwei ins Suchfeld tippen und den Tab danach sofort wieder schließen. Zwischen Speedos und Drinks.
Auch einige von euch waren da. Ihr habt euch testen lassen und mit uns geredet und Fragen gestellt, für die es sonst selten einen guten Ort gibt.
Und dann kam der Teil, auf den uns niemand vorbereitet hat: So viele von euch haben sich bei uns bedankt. Dafür, dass wir da sind. Dafür, dass Aufklärung nicht mit erhobenem Zeigefinger kommt. Einige haben uns zum Abschied umarmt. Einfach so. Wie heftigst sweet seid ihr bitte? 🥹🫶

Danke
Danke an Dan für die Anfrage und für eine Collection, die Berlin so trifft, wie Berlin nun mal ist. Danke an die adidas Sports Base Berlin für den Space und die Organisation. Und danke an alle, die vorbeigekommen sind, auch an die, die erst dreimal am Stand vorbeigelaufen sind, bevor sie sich getraut haben.
Pride ist mehr als ein Zeitraum im Kalender. Sich um die eigene sexuelle Gesundheit zu kümmern auch.
Also: fragt nach. Lasst euch testen. Redet darüber, so offen wie ihr es an unserem Stand getan habt. Nicht nur im Juli, sondern das ganze Jahr über.








