Kondome gehören zu den sichersten Methoden, um sexuell übertragbare Infektionen (STIs) zu vermeiden und ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Dennoch gibt es viele Menschen, die sie nicht verwenden: sei es aus praktischen, emotionalen oder sozialen Gründen. Welche Gründe spielen in diesen persönlichen Entscheidungen eine Rolle?
„Es fühlt sich nicht so gut an“: Der Komfort-Mythos
Ein weit verbreiteter Grund, auf Kondome zu verzichten, ist die Sorge, dass sie das Lustempfinden verringern. Manche empfinden die zusätzliche Schicht als störend oder haben das Gefühl, weniger Intensität wahrzunehmen. Besonders, wenn ein Kondom nicht optimal sitzt oder aus einem Material besteht, das sich ungewohnt anfühlt, kann es als unangenehm empfunden werden.
Dabei gibt es inzwischen eine Vielzahl an Kondomtypen mit unterschiedlichen Stärken, Materialien und Texturen. Ultradünne oder latexfreie Kondome können das natürliche Gefühl erhalten, während gleitfähige Modelle zusätzlichen Komfort bieten. Wer mit Kondomen Schwierigkeiten hat, könnte durch das Testen verschiedener Varianten eine passende Lösung finden.
„Ich bin doch gesund“: Die Unterschätzung von STI-Risiken
Viele Menschen nutzen keine Kondome, weil sie davon ausgehen, dass sie und ihr Partner oder ihre Partnerin gesund sind. Besonders in festen Beziehungen oder nach einem negativen STI-Test entsteht häufig das Gefühl, dass kein Schutz mehr nötig ist. Dabei bleibt oft unberücksichtigt, dass einige Infektionen symptomlos verlaufen und erst nach Wochen oder Monaten nachweisbar sind.
Regelmäßige Tests sind eine gute Möglichkeit, um die eigene sexuelle Gesundheit zu überprüfen. Wer sich in einer neuen Beziehung befindet oder wechselnde Partner*innen hat, kann durch den gemeinsamen Test Klarheit schaffen. So lässt sich das Risiko minimieren: mit oder ohne Kondom.
„Ich bin in einer festen Beziehung“: Der Vertrauensfaktor
In einer monogamen Beziehung entsteht oft das Gefühl, dass Kondome nicht mehr notwendig sind. Vertrauen spielt hier eine große Rolle: viele empfinden die Kondomnutzung als Zeichen von Distanz oder Zweifel am Partner. Doch gerade zu Beginn einer neuen Beziehung kann es sinnvoll sein, sich gemeinsam testen zu lassen, bevor auf Schutz verzichtet wird.
Entscheidend ist, offen über das Thema zu sprechen und mögliche Unsicherheiten zu klären. Ein STI-Test kann nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine emotionale Sicherheit schaffen. Paare, die gemeinsam Entscheidungen über Safer Sex treffen, stärken oft auch ihre Kommunikation und ihr gegenseitiges Vertrauen.
„Mein*e Partner*in will keine Kondome nutzen“: Gruppenzwang und Beziehungsdynamiken
Manchmal ist es nicht die eigene Entscheidung, sondern der Einfluss einer anderen Person, der zur Ablehnung von Kondomen führt. Besonders in neuen oder emotional intensiven Beziehungen kann es schwerfallen, eine klare Grenze zu setzen, wenn der oder die Partner*in keine Kondome nutzen möchte. Dies kann mit Komfort, aber auch mit Vorstellungen von Nähe oder Vertrauen zusammenhängen.
Hier hilft eine offene Kommunikation über persönliche Grenzen und Bedürfnisse. Wer sich mit einem Nein zu Kondomen unwohl fühlt, kann Alternativen wie PrEP oder regelmäßige STI-Tests in die Diskussion einbringen. Wichtig ist, dass sich beide Seiten wohlfühlen und die Entscheidung auf gegenseitigem Respekt basiert.

„Es ist nicht spontan genug“: Der Lustkiller-Mythos
Die Nutzung eines Kondoms wird manchmal als störend empfunden, weil es den Fluss des Moments unterbricht. Gerade in spontanen oder leidenschaftlichen Situationen kann das Suchen und Überziehen als Lustkiller wahrgenommen werden. Dadurch wird der Eindruck verstärkt, dass Sex ohne Kondom natürlicher oder aufregender sei.
Doch Safer Sex muss nicht kompliziert sein. Wer Kondome griffbereit hat und sie aktiv ins Vorspiel integriert, kann die Nutzung spielerisch einbauen. Ein gemeinsames Überziehen oder eine sinnliche Berührung mit Gleitgel kann die Erfahrung angenehmer gestalten und das Gefühl von Störung minimieren.
„Ich bin allergisch gegen Latex“: Die Materialfrage
Einige Menschen verzichten auf Kondome, weil sie eine Latexallergie haben. Dies kann sich durch Jucken, Hautreizungen oder Unwohlsein bemerkbar machen und dazu führen, dass Kondome als unkomfortabel empfunden werden. Das betrifft Schätzungen zufolge etwa 2 % der Gesamtbevölkerung.
Glücklicherweise gibt es mittlerweile zahlreiche latexfreie Alternativen, die aus Materialien wie Polyurethan oder Polyisopren bestehen. Diese sind genauso sicher und bieten oft ein noch natürlicheres Gefühl. Wer Probleme mit Latex hat, sollte verschiedene Modelle ausprobieren, um eine passende Lösung zu finden.
„Sie sind zu teuer“: Der Kostenfaktor
Für manche Menschen sind Kondome eine finanzielle Hürde, besonders wenn sie regelmäßig genutzt werden. Hochwertige Markenprodukte können im Vergleich zu anderen Verhütungsmethoden teurer erscheinen, was dazu führt, dass manche sie nur gelegentlich oder gar nicht verwenden.
Allerdings gibt es viele Möglichkeiten, kostenlos oder kostengünstig an Kondome zu kommen. Viele Beratungsstellen, Gesundheitsämter oder gemeinnützige Organisationen verteilen Kondome gratis. Zudem bieten einige Krankenkassen Zuschüsse oder Erstattungen für Verhütungsmittel an.
„Ich benutze eine andere Verhütungsmethode“: Der Schutzirrtum
Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille oder die Spirale bieten zuverlässigen Schutz vor Schwangerschaften. Manche Menschen verlassen sich darauf und verzichten daher auf Kondome. Doch diese Methoden schützen nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen.
Besonders bei wechselnden Partner*innen ist es sinnvoll, Kondome zusätzlich zu nutzen. Wer sich in einer festen Beziehung für eine andere Verhütung entscheidet, sollte sich und seinen Partner regelmäßig testen lassen, um auf der sicheren Seite zu sein.

„Ich habe keinen dabei“: Die Bequemlichkeitsfalle
Gelegenheit macht Liebe: aber oft ohne Kondom, weil gerade keins griffbereit ist. Ungeplante Situationen oder spontane Begegnungen sind einer der häufigsten Gründe, warum Menschen auf Schutz verzichten.
Hier kann es helfen, sich anzugewöhnen, immer ein Kondom dabei zu haben: sei es in der Geldbörse, der Jackentasche oder neben dem Bett. Wer vorbereitet ist, kann spontane Momente genießen, ohne Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen.
„Ich vertraue auf den Coitus interruptus“: Der Unsicherheitsfaktor
Manche Menschen setzen auf den „Rauszieh-Trick“, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Doch diese Methode ist extrem unsicher, da bereits in den Lusttropfen Spermien enthalten sein können. Zudem schützt sie nicht vor STIs.
Wer auf eine hormonfreie Verhütung setzt, kann sich über Alternativen wie Diaphragmen oder Kupferspiralen informieren. In Kombination mit regelmäßigen Tests und offenen Gesprächen über sexuelle Gesundheit lässt sich der Schutz optimieren.
„Ich nehme PrEP, also brauche ich keine Kondome“: Schutz mit Einschränkungen
Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) hat sich als äußerst wirksame Methode erwiesen, um eine HIV-Infektion zu verhindern. Menschen, die PrEP regelmäßig einnehmen, haben ein stark reduziertes Risiko, sich mit HIV anzustecken: was für viele den Hauptgrund darstellt, warum sie zuvor Kondome genutzt haben. Infolgedessen entscheiden sich manche, auf Kondome zu verzichten, da sie sich durch die PrEP bereits ausreichend geschützt fühlen.
Doch PrEP schützt ausschließlich vor HIV, nicht jedoch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis oder Chlamydien. Wer regelmäßig wechselnde Sexualpartner*innen hat, kann daher trotzdem einem erhöhten Risiko für STIs ausgesetzt sein. Daher wird die PrEP-Nutzung mit regelmäßigen STI-Tests kombiniert. Dennoch kann je nach Situation die Nutzung von Kondomen sehr sinnvoll sein. So lässt sich ein umfassender Schutz gewährleisten.
💡 Zusammenfassung
Es gibt viele verschiedene Gründe, warum Menschen keine Kondome nutzen: und sie sind oft verständlicher, als man auf den ersten Blick denkt. Wichtig ist, diese Gründe nicht zu verurteilen, sondern darüber zu sprechen und Alternativen aufzuzeigen.
Wer sich mit Kondomen unwohl fühlt oder sie aus bestimmten Gründen nicht nutzen möchte, kann Lösungen finden, die Schutz und Komfort vereinen. Offene Kommunikation, regelmäßige STI-Tests und ein informierter Umgang mit Sexualgesundheit sind der Schlüssel zu einer sicheren und erfüllten Sexualität.


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